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Lesung auf der Karlsruher Bücherschau, 2. Dezember 2007
Skript


Guten Abend, sehr geehrte Damen und Herren. Ich möchte Sie heute zu einer Reise einladen, in eine Welt, die sich von der, in der Sie sich gerade befinden nicht sehr unterscheidet.
Wir alle bewegen uns hin und wieder, und mehr oder weniger in ihr. Es ist eine Welt der Erinnerung, wir lassen, fremde oder eigene, vergangene Momente noch einmal Revue passieren, lassen sie uns noch einmal berühren, und sehen sie mit anderen Augen.
Wir hören Musik und lesen Geschichten. Wir betrachten Bilder und erinnern uns, jeder an etwas Anderes. Und genau so sollen Sie heute nicht ausschließlich nach meiner Erinnerung suchen, in den Gedichten die ich Ihnen heute vortragen werde.
Dies soll heute Ihre Reise werden, und wenn Sie nach meiner Geschichte in meinen Gedichten suchen , werden Sie sie nicht finden. Meine Worte sollen nur Spuren hinterlassen, in Ihren Gedanken , sollen Sie bei der Hand nehmen und durch ein Bild führen, damit Sie die Geschichte, Ihre Geschichte, ganz für sich allein schreiben können.

♥♥

Farbenblind.


Müde Augen.
Deine tauben Hände ruhen auf ihnen,
und durch sie blickst du in die Leere.

Sinn- und lautlos zahlst du Tribut
an deine gedankenlose Liebe.

An das Geflüster alter Stimmen,
die des Abends den Olivengärten
entgegen ziehen,
durch wispernde Graswälder;

wo der schwere Gruß des Tages
sich in goldenem Orange
vom Flussbett her erhebt;

um in der Nacht
ein letztes Mal zu erblühen,
kleine Tränen
zu kleinen Küssen,

von Lippen die sich farbenblind
berühren lassen;

die die Leere ertasten
und sich von dir verabschieden.

Vom Schatten der zurückweicht,
der sanft mit dem Wind und seinen Farben spielt,
der den Sternen

mit einem Handkuss Augenblicke schickt,
als Geschenk für jede wortlose Zärtlichkeit

die in unseren Augen ihre Blüten zog,
atemlos durch schweres Wasser.
Du träumst
und schließt die Augen.

♥♥

Wir träumen alleine. Wir verlassen uns auf uns selbst und tanken Kraft an Orten, die nur für uns einige Augenblicke lang real sind. Irgendwann wachen wir auf und erinnern uns vielleicht… an etwas, das wir erlebt haben, irgendwo, in uns selbst.

♥♥

Ich träumte.

Regen.
Eiskalte Liebkosungen,
dein Versprechen hält mein Herz
in sicheren Händen.


Lachendes Rinnsal,
die Zeit hält die Asche
in deinen Händen.

In deinen Händen:
Halbherzig gekämpft.
Im Moment ertrunken.

fest
und vollkommen
ausgeliefert



dir im
Regen.
vertraut
und sich selbst nie
vergeben

♥♥

Es gibt Erinnerungen, die schmerzen. Augenblicke an die man nicht gern zurückdenkt und die man am liebsten vergessen würde. Man versucht zu verstehen und merkt irgendwann dass man nicht ändern kann, was längst geschehen ist.
Aber dass der Drang zu verstehen, ein ehrlicher und aufrichtiger Weg ist, zu akzeptieren was man nicht ändern kann und sich selbst und Anderen zu vergeben.

♥♥

Es waren die Abendnachrichten an irgendeinem Tag des Jahres die mich veranlasst haben, dieses Gedicht zu schreiben. Ich starrte noch auf den Bildschirm als die Bilder vom Krieg und all den angsterfüllten Menschen, und denen, mit leeren Augen , schon wieder verschwunden waren. Ich setzte mich, und versuchte mit Worten ein Bild zu malen.

♥♥

süßes Gewissen


Die Augen erschöpft.
Wie die Stadt die unter ihnen ruht.

Die Verzweiflung wuchs aus ihren Mauern empor:
Ein jedes Herz schlug ihr entgegen,
wir atmeten bis zuletzt
den Rauch ihres Feuers...

Als wir es schürten
schmeckten wir schon die
süße
Reue
in ihren Grundfesten

und brannten die Mauern, die Verzweiflung, die Häuser, die Kinder
nieder.

Die
vergorene
Verbitterung
in ihren hungrigen Augen,
unruhig umher zuckend,
schmerzend gekrümmt
zu unseren Füßen

Hatten niemals um Rücksicht gebeten.
Sie hatten trocken und rußfrei
-auch von Süße hatten sie nichts-
nichts verstanden.

In der Stadtgeschichte
-nicht mehr existent-
hatten wir gedanklich
einen wohlverdienten Brand vermerkt.


Wir saßen
und tranken;
die staubige Leere
unserer Kehlen
hatte
-gewiss nur das Feuer-
mit Bitterkeit gefüllt.

♥♥

Dass wir nicht unfehlbar sind und dass es uns manchmal scher fällt, aufrichtig und ehrlich zu uns selbst zu sein, ist menschlich. Manchmal verzweifeln wir und manchmal leben wir mit einer Schuld die nur wir selbst uns aufgeladen haben. Aber irgendwann gibt es immer einen Punkt der alles verändert. Wenn wir auf einmal den Mut haben, etwas zu ändern, oder die Kraft den nächsten Schritt zu tun.

♥♥

Selbstgespräch


Vielleicht, mein Freund
quält sich
ein tiefes, dunkles Murmeln,
das dem Herzblut einer Zeit entspringt,
durch die bittersten Zweifel,
und durch das spiegelnde Grau
der Fensterstadt
zu dir.

Vielleicht legt es
seine warmen,dunklen Wurzeln
tröstend
flüsternd
als Erinnerung
in dich,

dass du endlich atmen sollst,
was dir niemand nehmen kann,

dass du endlich nach Hause finden sollst,
vollkommen verlassen,

deine Seele, die ein unbedachter Blick
in die Spiegel der Welt
zurückkehren lässt

zu dem Moment den du verstreichen lässt
weil du dir selbst nichts wert bist,

vielleicht lässt es dich die Worte finden,
die wie

ein tiefes, dunkles Murmeln
deinem Herz entspringen,
das so lange
fast unter der Last zerbrach
Erinnerungen flüsternd,
tröstend
als allgegenwärtige Erinnerung daran,
dass alles Leben dieser Welt
sich am Erlebten misst;

und dass jedes Wesen dieser Welt
eine Kraft umgibt,
sich selbst zu heilen.



♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥♥



~Lesung im Prinz Max Palais, 09.11.08, Literatursonntag

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Sie hiermit herzlich willkommen heißen.
Ich möchte Sie heute bitten, mir durch eine atemberaubende Welt zu folgen, durch die Welt der Fantasie.
Sie alle werden sich dort mehr oder weniger zuhause fühlen, sie bedeutet uns unterschiedlich viel, aber jedem etwas.

Wir sind dort an einem sicheren Ort, allein mit uns selbst.
Es ist der Ort, an dem wir entscheiden, was für uns richtig und was falsch ist. Wo wir uns selbst richten. Uns lieben und uns verabscheuen.

„Es irrt der Mensch solang er strebt“ schrieb Johann Wolfgang von Goethe einst in seinem Werk „Faust“.
Er beschreibt damit sowohl das jedem Menschen eigene Streben,
das ihm seine Bedeutung verleiht, und ihn einzigartig macht, als auch die schwere Last der Entscheidung die auf ihm liegt.
In unserer Welt gibt es stets unendlich viele Möglichkeiten Entscheidungen zu treffen und mit jeder getroffenen Entscheidung eröffnet sich wieder eine Vielzahl neuer Möglichkeiten.
Wir streben danach, richtig zu handeln, und fast immer gelangen wir für uns zu der Gewissheit, welche Entscheidung die Richtige ist.
Dennoch können wir meist nachempfinden warum sich jemand anders entscheidet als wir selbst, wir können mit ihm fühlen.

So sollen Sie heute versuchen, mitzufühlen, ganz für sich allein,
wenn ich Ihnen eine Gedichtreihe vortrage, die ich „Questions“, „Fragen“ genannt habe.
Dieser Titel steht für mich in einer sehr engen Verbindung mit einem anderen englischen Wort, „the quest“ , „das Streben“.



change

Das Murmeln und Wispern; ein graues, warmes Rauschen
füllt mein Herz manchmal, wenn ich einsam bin.
Dann wird es einfach davonzulaufen,
dann hat auch das Bruchstück das ich bin
einen Platz in der Welt.

Du liebst Ecken und Kanten,
du kehrst den Edelstein nach außen,
du siehst was du sehen willst.
Auf deinen Lippen murmelt das Wispern einen kurzen Abschied -
und geht für immer.

Du kehrst mein Bestes nach außen und lässt es vergehen,
du hältst mich fest und machst mich leer

Nach dir bleibt nur
Ein flüsternder Schatten in der Leere
Der dich vermisst.



Wir fühlen uns oft alleine in der Welt, die uns so unüberschaubar weit erscheint, und in der es so leicht ist, sich zu verlieren.
Wir sehnen uns nach einem Halt im Leben, nach anderen Menschen, die uns helfen können, die richtige Entscheidung zu treffen, die für uns da sind und mit uns fühlen.
Es verletzt uns, wenn Menschen von uns gehen, die uns sehr nahe standen, denn auch sie prägen unser Leben und machen uns zu etwas besonderem in der Welt, nicht zuletzt durch die zufällige Begegnung mit ihnen, die für uns so unwahrscheinlich scheint, dass wir sie Schicksal nennen.



Motivtausch

Es war nicht mehr,
als der Zauber des Zufalls;
ein zarter Sprung ins seichte Wasser
unseres Bewusstseins;

es wurde besonders mit seinem Ende,
das Wunder das uns zusammenband.

Der Strom der Welt hatte für einen Moment
sein Flussbett verlassen, damit es für uns
die Unendlichkeit geben konnte
in der wir uns hätten verfehlen können.

In lieblichem, tiefem, unsagbar weitem Staunen gelöst,
tanzten wir und tranken wir das Wagnis:
ein jeder gibt sein Herz ans Ende unsres Stück des Lebens,
wir zehren nur vom Werk des anderen.

Ein scheinbar mächtiges Schicksal
knüpfte ein Netz aus Gedanken zwischen uns,
und der Zufall
gab uns als Geschenk der Welt zurück,
und lies unser wissendes Lächeln
im Lebensstrom widerhallen.

Ich gebe dich für alle Zeit
der Welt zum Geschenk,
vom Zufall verzauberter, lieblicher, erfolgreicher
Spieler im Strom und Lied des Lebens.



Blaue Wunder (someone special) (from: Questions.)

Ich gleite dahin mit jedem Kontakt,
mein Wegrand soll stets ein blaues Kleid
sorgsam erdachter Stilblüten sein,
der kalte unnahbare Frost nur die Zier
eines Leuchtfeuers in der Finsternis.

Deine Antwort gibt mir Halt und einen Platz
im zeitlosen Raum dem ich nur Bedeutung gebe,
soweit ich blicken kann.

Ich kenne den Weg durch die Dunkelheit,
er ist stets sicher, wenn man die Hand vetrauensvoll ausstreckt
und das Herz darin ertränkt.
Ich kleide mich beständig wie der Wandel
in das Seufzen das du meiner sorgenvollen Stirn entringst
wenn sie sich morgen wieder sicher ist
dass du da irgendwo bist
mitten im blauen Wunder.



Dass wir selbst Erfahrungen mit Entscheidungen gemacht haben, verleitet uns häufig dazu, dem anderen zu raten, nicht dasselbe zu tun, auch wenn es ihm richtig erscheinen mag.
Wir beachten dabei oft nicht, dass es für denjenigen durchaus die richtige Entscheidung sein kann, einfach weil er sich für sie entschieden hat.
Eine Entscheidung, mag sie sich im Nachhinein auch als eine erweisen, die wir lieber nicht getroffen hätten, können wir nur tragen, wenn wir uns allein für sie entschieden haben. Nach unserem besten Gewissen.



Vorurteil (from: Questions.)

Wenn du heute, wohlwollend
dem anderen lächelnd, spöttisch
abrätst den Traum zu wagen,
denkst du dann heute noch an damals?

Warst du nicht selbst das glückliche Kind
an dessen Freude
jedes Urteil hatte sterben müssen

und hast du nicht genossen
was du wahr gemacht hast,
warst du nicht blind vor lauter Vernunft,
warst du nicht glücklich?



Augenblicke verzaubern uns.
Es erscheint uns wundersam eine Situation zu beobachten,
in der wir keinen Grund und keine Notwendigkeit erkennen.
Dass gerade wir, zufällig als stiller Beobachter daran teilhaben, wirkt magisch und verheißungsvoll und offenbart uns manchmal..
Einen ganz neuen, fantastischen Blickwinkel auf die Welt.



Heimlich (from: Questions.)

Ein besonderer Abend.
Metallisches Klirren kitzelt das Abenteuer in mir.
Ein Blick über die Dächer
lässt Schatten im Regen durch Licht tanzen.

Sie renken die nachtschweren Körper
starken Himmeln entgegen,
wundersam:
so federleicht den Durst nach mehr zu stillen.

Wer, wenn nicht ein durstiger Beobachter wie ich
sollte nicht an der Flut ihrer Atemzüge am Gestirn teilhaben,
ist es nicht herrlich wie laut ein paar Tänzer
das Wunder der Nacht Einzug halten lassen?



Und eines...das mir sehr ans Herz gewachsen ist...ohne Kommentar.




Der Traum vom Fliegen (from: Questions.)
Weißt du eigentlich wie weh du mir tust, Frühling im Herzen?

Als alle Wege noch Zuversicht säumten;
geheimnisvolle, wohlklingende Laute:
Blütenstaub auf der Zunge
der Himmel unendlich weit und doch
nur zum Traum vom Fliegen erdacht.

Der Sommer, der alles klar gezeichnet hat,
wo sich der Pfad im dichten Grün um dunkles Holz
am Wasser entlang wand; nicht tief genug darin zu ertrinken.
Man konnte den Grund erkennen, und sich doch nicht
die Angst erklären ihn zu überwinden.

Ein alter Freund der brechenden Herzen hielt Einzug
am geliebten Ort und lies den Zweifel über alle Wege wurzeln;
lies ihn gedeihen und erhärten und den Menschen
dran stolpern und vergehen, bis das Laub der frischen Wunde sacht den Schmerz begrub und den unfruchtbaren Teil
der Welt in seine warme Obhut nahm.

Im Winter faulen die Ausreden, sie beißen ins Holz und duften süß; der Strick zieht fester den Apfel vom Baum und das Eis friert alle toten Früchte mit sich ein.
Ich blute und sehe die Farben weichen, ich heile
und bin leer
bis auf den Wunsch dich zu fragen

ob du eigentlich weißt
wie weh es mir getan hat
im Frühling
vom Fliegen zu träumen.



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